Glattauer, Daniel: Alle sieben Wellen

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Produktinformationen
Titel: Alle sieben Wellen
Autor: Daniel Glattauer
Gattung: Roman
Erschienen: März 2011
Verlag: Goldamann Verlag
Taschenbuch: 219 Seiten
ISBN: 978-3-442-47244-4

 

 Klappentext

„Erstens: Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also „Gut gegen Nordwind“ gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben. Zweitens: Für Sie ist die Geschichte von Emmi und Leo und ihrer unerfüllten Liebe abgeschlossen. Mag sein. Aber nicht für Emmi und Leo! Drittens: Sie sind der Ansicht, dass die Liebenden zumindest eine einzige wirkliche Begegnung verdient hätten und der Roman eine zweite Chance auf ein anderes Ende? Bitte, hier haben Sie’s! Viertens: Sie haben keine Ahnung, wovon hier die Rede ist? Kein Problem. In diesem Buch erfahren Sie alles: von Leos Rückkehr aus Boston, von Emmis Eheproblemen und von der siebenten Welle, die immer für Überraschungen gut ist. „

Inhalt

Nach dem etwas aprupten Ende des ersten Teils (Glattauer, Daniel: Gut gegen Nordwind), beginnt dieser damit, dass Emmi immer wieder an Leo schreibt, obwohl sie jedes Mal die gleiche Antwort vom Systemadministrator erhält:

„ACHTUNG. GEÄNDERTE E-MAIL-ADRESSE. DER EMPFÄNGER KANN SEINE POST UNTER DER GEWÄHLTEN ADRESSE NICHT MEHR AUFRUFEN. NEUE E-MAILS IM POSTEINGANG WERDEN AUTOMATISCH GELÖSCHT. FÜR RÜCKFRAGEN STEHT DER SYSTEMMANAGER GERNE ZUR VERFÜGUNG.“

Nach einem dreiviertel Jahr passiert, womit man eigentlich nicht gerechnet hat: Leo reaktiviert die E-Mail-Adresse und kann ihr wieder antworten. Allerdings hat er in Boston eine Frau (Pamela) kennengelernt, mit der er eine feste Beziehung aufbauen möchte und das Emmi-Kapitel scheint für ihn beendet. Emmi drängt deshalb darauf, dass sie sich auf einen Kaffee treffen, um endlich einen „würdigen Abschluss“ zu finden. Fast kommt dieses Treffen nicht zustande, da Emmi von seinem Desinteresse ihr gegenüber enttäuscht ist, und wütend wird, wenn er ihre trotzigen Formulierungen, wie in dem folgenden Zitat, unverändert aufnimmt, anstatt ihr zu widersprechen.

„Wir wollen es beide hinter uns haben. Wir wollen es gut hinter uns bringen. Es geht um einen ‚würdigen Abschluss‘. Deine Worte, liebe Emmi.“

Dennoch kommt es zu dem, von den Lesern langersehnten, Treffen, das ernüchternd auf beide wirkt. Statt den Kontakt wie geplant abzubrechen, schreiben sie allerdings weiter und reflektieren ihr Treffen und trinken sogar noch einmal einen Kaffee zusammen. Leo zeigt jedoch weiterhin sehr wenig interesse an Emmi, was sie ihm vorwirft und bei ihm zu der Frage führt, was sein Interesse denn bringen sollte, da beide in einer Beziehung stecken. Im Verlauf des Gesrächs erfährt Emmi, dass Bernhard von ihrer „E-Mail-Affäre“ wusste und bekommt auch seine damalige Mail an Leo zu sehen. Der Schock sitzt erst einmal tief, aber nach einigen Tagen des Schweigens, will sie Leo abends besuchen. In dieser Nacht verführt sie ihn, doch es ist kein romantisches Treffen voller Liebe.

„Gleichzeitig so nah und so fern waren wir uns noch nie gwesen. Das war unser Tiefpunkt.“ (Leo)

Diese Nacht und Emmis schneller Abgang danach, war ihre Rache an Leo und Bernhard, für deren Mailaustausch, den sie so verletzt hat. Sie erklärt es Leo zwar, beendet jedoch gleichzeitig den Kontakt.

Nach drei Monaten meldet sich Emmi allerdings wieder, da ihre Psychotherapeutin ihr daimg_0048zu rät, ihm zu schreiben. Die ersten Nachrichten bleiben zunächst unbeantwortet und auch danach kommt erst stockend wieder ein Gespräch zustande, bei dem Leo meistens nur knapp antwortet. Der Leser erfährt jedoch, dass Emmi und Bernhard noch nicht wieder zueinander gefunden haben und Pamela in zwei Wochen bei Leo einziehen wird. Erst betrunken wird dieser wieder redseliger und emotionaler, was in Emmi den Wunsch auslöst ihn – diesmal wirklich- ein letztes Mal zu sehen, was er aber ablehnt. Stattdessen möchte er bis zum Einzug von Pamela und dem geplanten Abbruch des Mail-Kontakts ein Spiel spielen: Jeder stellt dem anderen während der letzen eineinhalb Wochen täglich eine Frage, die auch beantwortet werden muss. Dabei werden viele überfällige Fragen gestellt, aber nicht immer die Antwort gegeben, die das Gegenüber hören will.

„Emmi, es ist äußerst kontraproduktiv und auch ein bisschen billig, erst den Zug eines Mannes abfahren zu lassen (deine Worte), um dann jene Frau herunterzumachen, die mit ihm im neuen Abteil sitzt.“

Am Abend vor dem Einzug treffen sie sich zum Abschied und haben wieder für zwei Monate keinen Kontakt mehr, schreiben sich danach aber wie alte Freunde und halten sich auf dem Laufenden über ihr Leben: Emmi möchte Bernhard eine zweite Chance geben; Leo und Pamela haben an einigen Problemen zu knabbern. Dummerweise erfährt Pamela irgendwann von Emmi, was dazu führt, dass die Beziehung auf der Kippe steht und auch Emmi kann nicht in ihr altes Leben mit Bernhard zurückfinden.

Wieder besteht die Chance, dass Leo und Emmi sich näherzukommen… aber das Ende verrate ich nicht 😉

 

Fazit

Ich weiß nicht, ob Emmi schon im ersten Teil so zickig war und ich es überlesen habe, oder ob die teils bissigen Kommentare einfach so sehr zu ihrem „Kennenlern-Spiel“ gepasst haben, dass es nicht gestört hat. Dieses Mal ging mir ihr Verhalten oft auf die Nerven. Sie will Leo, versucht aber statt das offen zu sagen nur Komplimente von ihm herauszukitzeln und macht seine reale und vor allem funktionierende Beziehung madig. Sie schafft es meistens erst nach einer Eskalation über ihre Gefühle zu schreiben und bezieht auch am Ende erst dann eindeutig Stellung, nachdem sie Leo dazu gebraucht hat das zu sagen, was sie hören wollte.  Auch Leo ist unfassbaren Stimmungsschwankungen unterworfen: von betrunken-romantisch bis desinteressiert-abweisend ist innerhalb weniger Stunden alles dabei.
Mir war das ganze hin und her mit Kontakt abbrechen oder nicht, Streit oder nicht, Treffen oder nicht zu viel des Guten. Man möchte die beidem manchmal am liebsten einfach schütteln.

Trotzdem spiegelt das auf der anderen Seite ihr Gefühlschaos wieder und erzeugt Spannung, weil man natürlich wissen will, wie die Geschichte von Emmi und Leo enden wird. Gelungen war auch, dass der Roman, obwohl sie sich endlich doch getroffen haben, weiterhin konsequent in E-Mails verfasst wurde.

Der erste Teil war insgesamt wesentlich besser und hätte auch alleine so stehen bleiben können. Dort waren Aufbau und Ende überraschend, sowie die Dialoge spritzig. Im zweiten Teil hat der Zauber gefehlt. Die Dialoge waren mehr zickig als sprachlich kreativ und auch das Ende lässt mich nicht nachdenklich-traurig sondern eher gelangweilt zurück.

Insgesamt ein fesselndes Buch, das dem Vergleich mit dem ersten Band aber bei weitem nicht standhalten kann.

 

Bewertung

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