Glattauer, Daniel: Gut gegen Nordwind

Produktinformationen
Titel: Gut gegen Nordwind
Autor: Daniel Glattauer
Gattung: Roman
Erschienen: Juli 2008
Verlag: Goldamnn Verlag
Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN: 978-3878000440

 

Klappentext

„Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?“

 

Inhalt

Es passiert uns fast täglich: Im Eifer des Gefechts vertippen wir uns. Das ist im Falle dieses Romans der Auslöser für die weitere Handlung, denn Emma Rothner möchte per Mail eigentlich nur ihr Abonnement bei der Zeitschrift „Like“ kündigen. Statt woerter@like.com tippt sie jedoch woerter@leike.com ein und die E-Mail landet bei Leo Leike. Natürlich bekommt sie dadurch keine Antwort vom Verlag und wiederholt den Kündigungsversuch weitere zwei Male. Das führt dazu, dass Leo Leike sie in einer Antwortmail auf den Fehler aufmerksam macht. Es könnte nun die ganze Kommunikation enden und das tut sie auch neun Monate lang. Dann schickt Emmi allerdings an alle Kontakte ihrer Kundenkartei einen zugegebenermaßen recht kreativlosen Weihnachtsgruß, den Leo so nicht auf sich sitzen lassen kann und sich ironisch für die herzliche Massenmail bedankt. Auch dieser erneute Kontakt hält nur wenige Mails.

38 Tage später schickt Emma schließlich, nach Erhalt einer Rechnung, eine weitere Mail an den Leike-Verlag. Peinlich berührt von ihrem erneuten Tippfehler, erklärt sie Leo ihre chronische „e“ vor „i“ Schwäche, weil sie mit dem linken Mittelfinger zu schnell schreibt. So folgt eine witzig-ironische E-Mail der anderen und das Interesse der Beiden aneinander wird immer größer. Obwohl sie versuchen, nicht zu viel privates auszutauschen, erfährt man doch, dass Emma (per E-Mail Emmi genannt) seit acht Jahren glücklich verheiratet ist und zwei Kinder hat, Leo dagegen von Liebeskummer zur Exfreundin geplagt wird.

Irgendwann siegt die Neugierde, wie der andere wohl aussehen mag. Sie spielen ein Spiel: Beide sollen innerhalb eines festgelegten Zeitraumes von zwei Stunden in das gleiche Café kommen. Emmi ist überzeugt, aufgrund ihres E-Mail-Verkehrs könnte sie Leo sofort erkennen, er bestreitet das vehement und das Spiel beginnt. Nach dem Treffen ist Emmi enttäusch_MG_2635t. Sie hat niemanden erkannt, der halbwegs so interessant ausgesehen hätte, wie der Mann, mit dem sie einen so angeregten E-Mail-Wechsel pflegt. Der einzig halbwegs interessante war einer, der nur Augen für seine blonde Freundin hatte. Also konnte das nicht Leo sein und wurde nicht weiter beachtet. Später kommt heraus: genau dieser Mann ist Leo, die blonde Freundin dagegen war nur seine Schwester Amanda.
Leo dagegen kommt auf insgesamt drei Emmi-Varianten; drei attraktive Frauen, die in der Zeit alleine im Café waren und sich unauffällig umgesehen haben. Nach einer Beschreibung der drei bestätigt Emmi tatsächlich, eine davon zu sein, ohne zu verraten welche.

Sie schreiben weiter und immer wieder steht die Möglichkeit eines Treffens im Raum. Mal von Leo mal von Emmi geäußert, mal nüchtern oder betrunken. Allerdings ist immer einer der beiden gegen ein Treffen, zum Beispiel weil sie nicht wissen, wo ein Treffen hinführen sollte. Außerdem haben sie schon so viele Erwartungen und Vorstellungen von dem anderen, dass diese bei einem Treffen nur enttäuscht werden könnten.
In vielen der E-Mails, vor allem der betrunken verfassten, wird deutlich, dass beide immer mehr füreinander empfinden. Unter anderem wird auch erörtert, wie das erste Treffen zwischen ihnen ablaufen könnte, wobei es sehr stark erotische Komponenten gibt.

 „Ich bin nicht glücklich – ohne Sie. Zu meinem Glück gehören E-Mails von Leo. Zu meinem Glück fehlen mir E-Mails von Leo. Zu meinem Pech fehlen mir diese E-Mails zu meinem Glück gerade sehr.“

„Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.“

Das hätte auf diese Art vermutlich noch viel länger so weitergehen können. Doch dann meldet sich Bernhard, der Ehemann von Emmi zu Wort. Er hat die von Emmi ausgedruckten Mails gefunden und gelesen.  Um die Ehe zu retten, fordert er Leo auf, Emmi zumindest einmal zu treffen, um ihr Phantasiegebilde zu zerstören und dann den Kontakt abzubrechen.

„Einem Geist kann man nichts vorwerfen. Sie sind nicht greifbar, Herr Leike, nicht antastbar, Sie sind nicht real, Sie sind ein einziges Fantasiegebilde meiner Frau, Illusion vom unendlichen Glück der Gefühle, weltferner Taumel, Liebesutopie, aus Buchstaben gebaut.“

In diesem ganzen Chaos erhält Leo das Angebot, zwei Jahre in Boston zu arbeiten. Er schreibt Emmi, dass er das Angebot als Neuanfang nutzen möchte und den Kontakt zu ihr nach der Abreise abbrechen wird. Davor wäre dann der perfekte Zeitpunkt, sich zu treffen und persönlich zu verabschieden. Werden die Erwartungen enttäuscht, ist es ohnehin unwichtig, da sie keinen Kontakt mehr haben werden, das gleiche gilt, falls die Erwartungen erfüllt werden. Nach langem hin und her sagt Emmi zu einem Treffen zu. Beide mailen sich noch wenige Stunden vor der verabredeten Zeit, wie aufgeregt sie sind. Und dann macht sich Emmi auf den Weg….

 

Fazit

Das Motiv einer Dreiecks-Beziehung zwischen Mann, Frau und Liebhaber mit heimlichen „(Liebes-) Briefen“, die irgendwann vom Mann entdeckt werden und meistens im Tod des Liebhabers enden, ist an sich nichts Neues. Hier wird dieser alte Topos allerdings in eine neue und modernere Form gebracht.

Der Beginn wirkt etwas gestellt, denn wie wahrscheinlich ist es, dass jemand sich in so vielen Mails vertippt, immer mit demselben Fehler? Auch reagiert Emmi in manchen Passagen über, wenn Leo zum Beispiel von ihrer ‚glücklichen Ehe‘ spricht und sie es auffasst, als würde er sich über sie lustig machen. Dennoch werden vielleicht gerade dadurch Figuren erstellt, die Tiefe haben, die verletzlich sind und in denen man sich als Leser wiederfinden kann. Das Besondere ist dabei, dass das alles lediglich über die E-Mail-Texte funktioniert, denn an sonstigem Erzähltext findet sich bis auf die Zeitangabe sowie „Betreff: …“, „RE“ und „AW“ nichts.

Der Austausch, der oftmals in einen Chat übergeht, wenn beide sich bereits nach wenigen Sekunden antworten, ist humorvoll und kurzweilig. Nicht zuletzt ist das Buch auch deshalb so spannend, weil man immer wieder auf ein Treffen der Protagonisten entgegenfiebert. Werden sie bei einem Treffen noch so begeistert sein vom Gegenüber, wie nach den vielen Nachrichten? Welche der drei Emmis wird die richtige sein? Wie endet die Dreiecksbeziehung?

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber die letzte E-Mail tut weh. Ich habe mich dadurch in ein Nichts gestoßen gefühlt. Aber es ist zugleich auch das passendste und perfekteste Ende, das ich mir vorstellen könnte.

Insgesamt also eine sehr kurzweilige Lektüre!

Und hier gehts die Geschichte von Emmi und Leo weiter: Glattauer, Daniel: Alle sieben Wellen

 

Bewertung

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5 Gedanken zu “Glattauer, Daniel: Gut gegen Nordwind

  1. Hallöchen, ich hab „Gut gegen Nordwind“ geliebt und war auch vom zweiten Teil sehr angetan. Ich hab auch gehört, dass die Hörbücher ganz unglaublich toll sein sollen, das wollte ich demnächst selbst mal schauen. Ich bin auf jden Fall gespannt, wie dir der zweite Teil gefallen wird.

    Alles Liebe, Nelly

    Gefällt 1 Person

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