Fitzek, Sebastian: Das Paket

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/51Ng3sxlILL._SX317_BO1,204,203,200_.jpgProduktinformationen
Titel: Das Paket
Autor: Sebastian Fitzek
Gattung: Psychothriller
Erschienen: Oktober 2016
Verlag: Droemer HC
Taschenbuch: 368 Seiten
ISBN: 978-3426199206

 

 

 

Klappentext

„Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet.
Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.
Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt … „


Inhalt

Die Hauptperson ist die Psychologin Emma Stein und die Handlung wird, bis auf wenige Ausnahmen, aus ihrer Sicht erzählt. Die Kapitel springen zeitlich zwischen ihrer Kindheit, der Nacht der Vergewaltigung, dem Tag an dem sie das Paket bekommen hat und dem Gespräch mit ihrem Anwalt umher. Vor allem das Gespräch mit dem Anwalt dient dazu, das Geschehen nach und nach aufzudecken und dabei Spannung bis zum Ende aufrecht zu erhalten.
Ihrem Anwalt kann sie sich trotz der schockierenden Erlebnisse nur anvertrauen, da es sich dabei um ihren schwulen besten Freund und Mentor Konrad handelt. Sie kennt ihn schon seit ihrer Kindheit, da er ein Kollege ihres Vaters war, und hat sich in seiner Anwaltskanzlei immer wohl gefühlt, so dass das Gespräch auch dort und nicht in der psychatrischen Anstalt stattfindet, wo sie seit der Geschehnisse untergebracht ist.

Chronologisch setzt die Handlung in der Kindheit an. Von ihrem Vater hat sie damals wenig Liebe bekommen, stattdessen neigte er zu agressivem Verhalten. Sie entwickelt eine Angst vor ihrem Kleiderschrank, in dem ein imaginärer männliche Geist namens Arthur sitzt, der sie beobachtet und ab und zu mit ihr spricht. Als ihr eines Abends ihr Vater Gewalt androht, sieht sie Arthur das erste und einzige Mal aus dem Schrank steigen, als Mann, dessen Gesicht unter einem Motorradhelm verborgen ist. Er trägt in der Hand eine Spritze und machte sich auf den Weg ins Schlafzimmer der Eltern…

„Vielleicht ist Angst wie eine Tüte Gummibärchen, dachte sie. Ich hab sie schon im Schlafzimmer meiner Eltern verbraucht.“

Sie brauchte Jahre, um therapiert zu werden und Arthur zu vergessen. Mittlerweile ist sie mit dem Polizisten Philipp verheiratet und eine bekannte Psychiaterin. Nach einer Konferenz will sie in einem Hotel übernachten, wird dann aber nachts in ihrem Zimmer betäubt und vergewaltigt, wobei der Täter zudem ihre Haare abrasiert. Sie wacht völlig verstört an einem anderen Ort auf.

„Emma, zur Bewegungsunfähigkeit verdammt, konnte weder brüllen noch strampeln oder um sich schlagen. Nur abwarten, wo sie die Schmerzen als Erstes fühlen würde. Und beten, dass das Grauen schnell vorüber wäre. Was es nicht war.“

Emma ist überzeugt davon, ein Opfer des „Friseur“ genannten Serienkillers geworden zu sein, der  Escort-Damen tötet und ihre Haare abschneidet. Doch die Ermittlungen und das Gutachten der Polizeipsychologin deuten eher darauf hin, dass Emma sich das ganze nur eingebildet hat. Dass sie bereits als Kind mit ihrem imaginären Freundes große Fantasie gezeigt hat, bestätigt die Psychologin in der Annahme, die Tat hätte sich nicht wirklich ereignet. Dafür sprechen unter anderem auch Fakten wie, dass das genannte Hotelzimmer mit der Nummer 1904 nicht existiert, es keine Anzeichen einer Vergewaltigung gibt und der Serienkiller seine Opfer tötet, Emma jedoch noch lebt.

Sechs Monate später wohnt Emma mit ihrem Mann in einem Haus am  Rande des Berliner Grunewalds und ist immer noch überzeugt davon, ein Opfer des „Friseurs“ geworden zu sein. Sie lebt in Angst, er könnte wiederkommem, um seine Tat zu vollenden. Deshalb vermeidet sie es, das Haus zu verlassen und hat nur noch Kontakt zu ihrem Mann, ihrer besten Freundin Sylvia, Konrad und dem Postboten, der ihr die Lebensmittelbestellungen bringt. Als Psychologin erkennt sie, dass sie Anzeichen einer beginnenden Paranoia zeigt und weiß auch, dass sie oft nicht mehr rational handelt.

„Noch viel größere Angst als vor ihm hatte sie jedoch vor sich selbst.“

Eines Tages allerdings bittet der Postbote sie, ein Paket für einen Nachbarn anzunehmen. Das Problem ist: Sie kennt alle Namen aus der Nachbarschaft, aber den auf dem Paket hat sie noch nie gehört: A. Palandt. Sie hat panische Angst davor, dass es der „Friseur“ ist, der ihr auflauert, erkennt, dass das keinen Sinn macht und entschließt sich nach Stunden, es ihm einfach vorbei zu bringen. Er ist nicht da, aber die Tür ist offen und so geht sie in seine Wohnung und entdeckt vieles, das ihr Angst macht und dafür sorgt, dass sie aus dem Haus fliehen muss. Zuhause kann sie nicht mehr anders, als das Paket zu öffnen…

„So wie ein Alkoholiker weiß, was er tut, wenn er das Glas zum ersten Schluck ansetzt, wusste Emma, was sie tat, als sie die Paketschnur löste. Sie brach auf zu der gefährlichsten Etape ihrer selbstzerstrerischen Reise, tief hinein in die Elendsviertel ihrer sinnlosen Existenz.“

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Traust du dich, das Paket zu öffnen?

Fazit

Selten habe ich ein Buch so schnell verschlungen. Ich habe es gekauft, mit Unterbrechungen wie Uni und Essen gelesen und war in der gleichen Nacht damit durch. Die Handlung schreitet schnell voran, so dass man wie in einem Sog weiter mitgezogen wird und gar nicht anders kann, als weiterzulesen.

Ich fand gut, dass sich die Handlung so stark auf Emma konzentriert. Sie verhält sich paranoid, diagnostiziert das auch an sich, kann aber trotzdem nichts gegen ihre Ängste und falschen Handlungen tun. Als Leser schwankt man die ganze Zeit zwischen: „Bildet sie sich alles ein? Wurde sie garnicht vergewaltigt?“ und „Sowas kann man sich doch garnicht einbilden. Wieso merkt keiner, was da vor sich geht?“

Wenn man einen Fitzek liest, kann man sich in den meisten Fällen sicher sein, von diversen Wendungen sowie vom Ende überrascht zu werden. In „das Paket“ ist das außergewöhnlich gut gelungen und ich saß quasi mit offenem Mund da und konnte es nicht glauben. Emmas Schicksal ist einfach tieftraurig, denn das große Ganze geht weit über die Nacht im Hotelzimmer hinaus, was Emma jedoch erst zum Schluss versteht.

Etwas ganz Besonderes hat sich Fitzek auch für den Einband ausgedacht, denn das Buch gibt es als Special-Edition in einem Paket zu kaufen und auch das Buch an sich ist mit seinen kantig geschnittenen Pappdeckeln passend auf das ganze Design abgestimmt. img_0761-2

 

Und als Fitzek-Fan stolpert man dann auch noch über kleine Feinheiten wie folgende:

„Schon einmal, vor zehn Jahren, hatte Dr. Martin Roth es angeblich geschafft, einen Schizophrenie-Patienten mit Hilfe seiner eigenen Wahnvorstellungen zu therapieren, und damit den Grundstein für seinen Ruf gelegt.“

Damit vegeht in den Fitzek-Bücher (zumindest in der Geschichte von Martin Roth) einfach genau so viel Zeit wie im realen Leben. Ich finde das ganz groß.

Bewertung

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Übrigens: Die Fitzek-Tour!

Für alle, dimg_8851ie noch Gelegenheit haben: Zur Zeit findet die 10-Jahre-Fitzek-Tour statt.
Es ist einfach wundervoll, sein Idol einmal leibhaftig vor sich zu sehen und natürlich hat sich seine Show von einer normalen Lesung abgehoben. Mit dabei war die Band „Buffer underrun“, die für die passende klangliche Untermalung seiner vorgelesenen Textausschnitte gesorgt hat. Neben den „Happen“ zum Buch, gab er auch immer wieder Anekdoten zu seinem bisherigen Leben zum Besten. Insgesamt waren es zwei sehr unterhaltsame Stunden und auf jeden Fall einen Besuch wert!

 

 

 

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