Suter, Martin: Der Koch

https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/41-coIFkAiL._SX311_BO1,204,203,200_.jpgProduktinformationen
Titel: Der Koch
Autor: Martin Suter
Gattung: Roman
Erschienen: September 2011
Verlag: Diogenes
Taschenbuch: 320 Seiten
ISBN:978-3257239997

 

 

 

Klappentext


„Weltweite Finanzkrise, Bürgerkrieg in Sri Lanka und eine Firma, die in aller Verschwiegenheit boomt: ›Love Food‹ fürs diskrete Tête-à-Tête. Politische Gegenwart, Liebesgeschichte, Exotik und Sinnlichkeit – ein Roman, der keinen Wunsch offenlässt.“

 

 

Inhalt

Der Protagonist ist der 33-jährige Tamile Maravan. Er ist zunächst sehr erfolgreich als Koch in südindischen Ayurveda-Luxushotels beschäftigt und hat eigentlich den Plan, in seiner Heimat in Sri Lanka ein eigenes Restaurant zu eröffnen. Der Plan scheiterte jedoch am Bürgerkrieg, der für die tamilische Minderheit ein lebensbedrohliches Ausmaß annimmt. Deshalb flieht er als Asylsuchender in die Schweiz und schickt der in Sri Lanka zurückgebliebenen Familie Geld. Von der Vorgeschichte wird allerdings erst im Verlauf des Romans erzählt.

Zu Beginn der Handlung arbeitet Maravan als Aushilfskoch im Luxusrastaurant Huwyler, in dem sich trotz der Finanzkrise die High-Society von Zürich zum Schlemmen trifft. Da Maravan sich schon seit frühster Kindheit mit dem Kochen beschäftigt hat, kann er es wesentlich besser, als die ‚Sterneköche‘, denen er unterstellt ist.

„Schon früh war Maravan fasziniert von den Vorgängen, die ein paarkrude Rohprodukte in etwas ganz anderes verwandelten. Etwas, das man nicht nur essen konnte, das einen nicht nur sättigte und ernährte, sondern das sogar – glücklich machte.“

Als eines Tages der ohnehin schon vom Personal aufgrund seines Könnens und seiner Abstammung gemobbte Tamile mit dem Chefkoch in eine Auseinandersetzung gerät, kommt ihm die hübsche Kollegin Andrea zu Hilfe. Um sich bei ihr zu bedanken, lädt er sie zu einem Essen bei sich ein. Da er heimlich in sie verliebt ist, kocht ihr ein mehrgängiges molekulares Menü, das auf alten tamilischen Gerichten basiert und dem eine aphrodisierende Wirkung zugesprochen wird. Tatsächlich verfehlt das Essen seine Wirkung nicht und die (wie man später erfährt) lesbische Andrea verbringt die Nacht mit ihm.  Andrea selbst, versteht zunächst nicht, was an diesem Abend mit ihr passiert ist:

„Denn je öfter sie im Geist den Abend wiederaufleben ließ, je detaillierter sie ihre Gefühle und Empfindungen rekonstruierte, desto sicherer war sie, dass sie unter dem Einfluss von etwas gestanden haben musste.“

Für das Menü brauchte Maravan einen Rotationsverdampfer, den er sich unerlaubterweise aus dem Huwyler ausgeliehen hatte. Es kommt, wie es kommen muss: Maravan gelingt es nicht, das Gerät heimlich zurückzubringen und er wird fristlos entlassen. Auch Andrea verliert kurz danach ihren Job.

Da die Finanzkrise es schwierig macht, eine Anstellung zu finden hat Andrea die Idee, den Suter_derKochCatering-Service „Love Food“ zu gründen, bei dem ein romantisches Essen für Ehepaare (später auch Männer und ihre Geliebten) organisiert wird, dass sie sexuell Stimulieren soll. Aus Geldnot und immer noch verliebt, willigt Maravan entgegen seinen Überzeugungen ein.

Nebenher erfährt man von dem brutalen Befreiungskampf der Organisation LTTE (Tamil Tigers) in Sri Lanka, deren mafioser Arm bis in die Schweiz reicht. So kommt es, dass Maravan von deren Mitgliedern um Geld für den Befreiungskampf erpresst wird. Er zahlt das Geld, als sein geliebter Neffe zum Militärdienst rekrutiert wird und hofft, ihn damit retten zu können. Allerdings sind diese Versuche vergeblich und er stirbt.

Ein Mann namens Dallmann kam zuvor immer wieder in Szenen vor, hauptsächlich als Gast des Huwyler, der diverse Treffen mit anderen hohen Tieren der Wirtschaft hatte. Maravan erfährt gegen Ende, dass dieser in dubiose Waffengeschäfte mit Sri Lanka verwickelt ist. Als Dallmann schließlich Gast bei „Love Food“ ist, gibt sich Maravan dem Hass an alle, die den Terror unterstützen, hin und nutzt seine Chance…

Fazit

Ich hatte schon damals beim Erscheinen des Romans versucht ihn zu lesen. Allerdings haben mich die vielen Beschreibungen der molekularen Küche so gelangweilt, dass ich abgebrochen habe.
Dann hat mich Suters Roman „die Zeit, die Zeit“ so sehr gefesselt, dass ich -dem ohnehin gehypten- Koch noch eine Chance geben wollte.

Ich habe zunächst eine Liebesgeschichte erwartet. Von den vielen Kochszenen und -beschreibungen abgesehen, finden sich jedoch auch viele Beschreibungen der Finanzkrise und von den Geschäften und Befürchtungen verschiedener Geschäftsmänner, die mich persönlich meistens gelangweilt haben. Die Erzählstränge von Dallmann und Maravan berühren sich die meiste Zeit über gar nicht bis wenig. Zum einen macht es das spannend, weil man wissen möchte, wie die beiden zueinander stehen. Zum anderen, sind die Dallmann-Passagen sehr trocken , wenn man sich nicht für wirtschaftliche Akteure interessiert. Insgesamt ist das einfach nicht das Thema in einem Roman, das mich fesselt… Auch die Passagen, in denen es um den Bürgerkrieg in Sri Lanka und die Erpressungen geht, waren nicht sonderlich spannend, da immer wieder auf die gleichen Probleme eingegangen wird.

Bei so vielen verschiedenen Themen  ist es auch nicht verwunderlich, dass die Hauptpersonen Maravan, Andrea und Dallmann irgendwie eindimensional bleiben. Ich konnte keinen Zugang in die Gefühlswelt der Personen bekommen und deshalb hat mich auch, das im Grunde sehr heftige Ende, nicht wirklich berührt.

Touché zwar, für die gute Recherche, was die molekulare Küche angeht, nichts desto trotz wurden meine Erwartungen an einen Suter-Roman bei Weitem nicht erfüllt.

Ach das Gadget am Ende -die Anleitung zu den von Maravan gekochten, aphrodisierenden Gerichten – ist nett gemeint, aber wer hat schon die zahlreichen exotischen Zutaten Zuhause? Von einem Rotationsverdampfer und anderen Gerätschaften ganz zu schweigen…

 

Bewertung
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